Ein so einschneidendes Erlebnis wie der Verlust eines Kindes zieht viele Veränderungen nach sich. Der Boden scheint sich aufzutun und es stellen sich essentielle Fragen: Wie geht es weiter? Mache ich so weiter wie bisher? Kann ich überhaupt weiter machen? Der Schock sitzt tief und ist so präsent, dass alles andere in den Hintergrund rückt, verschwimmt, unwichtig wird.
Jeder reagiert anders
Manche Menschen stürzen sich nach dem Verlust des Kindes in die Arbeit und arbeiten mehr als vorher, andere ziehen sich zurück und können selbst kleine alltägliche Arbeiten nicht mehr ausführen. Einigen merkt man nicht an, dass sie etwas derart Schlimmes erleben mussten, andere sind verzweifelt und wissen nicht, was sie machen sollen.
Der Körper reagiert
Du wirst feststellen, dass sich ein paar deiner Gewohnheiten radikal verändern. Schlaflosigkeit, Konzentrationsverlust, Vergesslichkeit stellen sich ein. Dein Körper reagiert auf das Ereignis, und das ist gut so. Akzeptiere es für den Moment und lerne damit umzugehen. Wenn die Traurigkeit kommt dann lasse sie zu. Unterdrücke sie nicht, denn damit schadest du dir sehr! Auch die Wahrnehmung verändert sich. Du erschrickst bei Dingen oder Geräuschen, die vorher für dich völlig normal waren. Manche Erinnerungen, die du bisher mit positiven Gefühlen verknüpft hast, rufen plötzlich negative Gefühle hervor. An Dingen, die du gerne gemacht hast, verlierst du die Lust. Das Läuten der Kirchenglocken, das dich immer mit Freude an die Trauung oder Taufe erinnerte, lässt dich nun an den die Beerdigung erinnern. Deine Lieblings-Songs, die du fast jeden Tag gehört hast, machen dich unendlich traurig. Das Töff-Fahren, das du so geliebt hast, ist nicht mehr möglich, weil du den Kopf mit tausend Gedanken voll hast. Wenn jemand auf der Strasse den Namen seines Kindes ruft, der zufällig mit dem Namen deines verstorbenen Kindes übereinstimmt, könntest du schreiend davon rennen.
Trigger
In der Psychologie spricht man von Trigger-Ereignissen, die bestimmte Emotionen auslösen und deine Stimmung von jetzt auf gleich ändern können. Diese Trigger gehören nun zu deinem Alltag dazu. Aber auch sie sind normal. Im Laufe der Zeit verändern sie sich, werden weniger oder hören sogar ganz auf aufzutreten. Vielleicht kannst du eines Tages wieder Musik hören und dabei Freude empfinden, ja sogar dazu tanzen oder mitsingen.
Schau zu dir
Diese Veränderungen sind ganz individuell. Du wirst lernen, damit umzugehen. Auf Musik zu verzichten, Fotos oder Videos von deinem Kind anzuschauen oder einen bestimmten Ort aufzusuchen, weil es dir unendlich weh tut. Es ist in Ordnung. Eine wichtige Regel lautet: Tue das, was dir gut tut und lass die Dinge ruhen, die Trauer in dir hervorrufen. Dabei musst du kein schlechtes Gewissen haben. Dein Kind ist immer bei dir, egal wo du bist. Du musst nicht am Grab stehen, um bei ihm zu sein.