Rituale helfen bei der Bewältigung von Schmerz und Trauer. Sie geben dem Schmerz und der Trauer einen Raum und dir so die Möglichkeit, dich bei der Ausübung des Rituals bewusst der Trauer hinzugeben, sie herauszulassen. Rituale lösen Gefühle und Emotionen aus und das ist ganz wichtig, denn in der heutigen von Hektik und Stress geprägten Zeit gerät die Trauerbearbeitung schnell zur Nebensache. Trauer und Schmerz werden heruntergeschluckt. Eine Aufarbeitung passiert nicht. Und das ist weder gut für den Körper noch für den Geist. Denn irgendwann wird sich der Schmerz einen anderen Weg in deinem Körper suchen und sich auf verschiedenste Art und Weise zeigen. Magenprobleme, Übelkeit, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme. Doch nicht jeder braucht ein Ritual. Ich empfinde es jedoch als sehr hilfreich und empfehlenswert. Rituale bringen dich deinem Kind näher und können Balsam sein für die Seele.
Es gibt viele unterschiedliche Rituale und auch hier ist es ganz individuell, für welche Form oder Art man sich entscheidet. Ich möchte dich ermuntern, verschiedene Dinge auszuprobieren und dann das Ritual für dich auszuwählen, bei dem du ein gutes Gefühl verspürst. Natürlich ist ein Ritual nicht in Stein gemeisselt. Es kann und darf ändern. Vielleicht brauchst du gar kein Ritual. Das ist völlig okay. Hier ist eine kleine Liste von Ritualen:
– jeden Abend eine Kerze für dein Kind anzünden
– jede Woche das Grab besuchen
– eine Geschichte lesen, die dein Kind gerne mochte
– Musik hören, die deinem Kind gefallen hat
– spazieren gehen
– Fotos von deinem Kind anschauen
– deine Gedanken aufschreiben
– malen oder gestalten, mit Holz arbeiten oder Töpfern
– einen Ort aufsuchen, mit dem schöne Erinnerungen an dein Kind verknüpft sind
– mit deinem Kind reden
Ausprobieren
Manche Rituale sind vielleicht für dich schwierig oder sogar unmöglich, weil sie dich zu viel Kraft kosten oder Emotionen in dir hervor rufen, die deine Stimmung drücken. Mache dir eine Liste und probiere aus. Wähle das Ritual, bei dem du dich wohl fühlst.
Kein Zwang
Vielleicht stellst du fest, dass du dich die erste Zeit sehr streng daran hälst, dieses Ritual zu befolgen. Du klammerst dich daran und bekommst ein schlechtes Gewissen, wenn du das Ritual aus irgendeinem Grund einmal nicht durchführen kannst. Das ist völlig normal. Gräme dich nicht! Es ist nicht schlimm. Dein Kind nimmt es dir nicht übel, wenn du nicht an seinem Grab sein kannst, vergessen hast, die Kerze anzuzünden oder ähnliches. Es geht hier um dich. Das Ritual soll für dich stimmen und dir ein besseres Gefühl geben und kein Zwang sein.